Über Mich
Auf diesem Bild bin ich sieben Jahre alt und führe gerade meine ganz eigene Version von Shakespeares Julius Cäsar auf. Was das mit meiner Arbeit heute zutun hat? Ganz einfach: Seit ich denken kann, erzähle ich Geschichten.
Mein Weg als Filmemacher begann zum Beispiel ziemlich früh: Zu Weihnachten 2000 schenkte mir mein Vater eine alte VHS-Kamera. Nach mehreren “dokumentarischen” Anläufen als Filmemacher (= ungefragtes Verfolgen von Familiengliedern mit der Kamera) drehte ich wenige Jahre später meinen ersten “richtigen“ Kurzfilm. Mit 20 schrieb ich dann ein Drehbuch und schickte es an einen bekannten österreichischen Schauspieler – und er sagte zu. Also stellte ich ein Team von 50 Menschen zusammen und inszenierte 12 Points, ein Projekt, das eigens für das Finale des Eurovision Song Contest 2015 in Wien entstand. Bis heute hat der Film bei Vorführungen auf der ganzen Welt und online weit über zwei Millionen Menschen erreicht. In den Jahren danach begann ich, meine erzählerische Arbeit auch auf andere Medien und Formate auszuweiten.
Aber zurück zu Shakespeare: Durch ihn und andere große Geschichtenerzähler habe ich schon früh verstanden, dass eine gute Geschichte ihren Erzähler überleben kann. Sie bleibt lebendig, solange sie weitererzählt wird. Schon als Kind wollte ich jemand sein, der Geschichten bewahrt, weiterträgt und mit anderen teilt – diese kleinen Gefäße voller menschlicher Erfahrungen, Gefühle und Erinnerungen.
Diesen Traum habe ich mir erfüllt. Oder besser gesagt: Ich erfülle ihn mir noch immer. Tag für Tag aufs Neue suche ich nach dem richtigen Medium, der richtigen Form und der richtigen Art, eine Geschichte zu erzählen – ob groß oder klein, berührend oder schlicht informativ.
Und eines weiß ich: Wenn ich irgendwann nicht mehr da bin, werden manche dieser Geschichten weiterleben.
Warum?
Weil sich jemand anderer eine Tischdecke um die Schultern wickeln, Blätter auf den Kopf setzen und sie weitererzählen wird.